Long Island


Long Island (dt. Lange Insel) ist eine Insel, die zum US-Bundesstaat New York gehört. Sie liegt an der Ostküste Nordamerikas, ist etwa 190 km lang und 20 bis 32 Kilometer breit. Die Fläche beträgt 3566 km2, was ungefähr der Fläche Mallorcas entspricht. Geologisch ist die Insel eine eiszeitliche Moräne, die weitgehend sandige, lockere und felsige (weniger Urgesteins-) Böden aufweist.

Geschichte

Seit der Zeit der frühesten Besiedelung in Long Island bis zur Übergabe der Kolonie „New Netherlands“ an die Engländer war der westliche Teil der Insel unter dem holländischen Zuständigkeitsbereich, was auch den Anspruch auf die Stadt von Oyster Bay einschloß, den die Engländer wiederum nicht anerkannten.

Die Plymouth Company (oder auch Virginia Company of Plymouth) gab 1635 auf Anordnung von Charles I eine Besitzurkunde für die ganze Insel an William Alexander, 1st Earl of Sterling, heraus. Sterling übergab im folgenden Jahr die Vertretungsvollmacht an James Farrett, damit dieser über das Land verfügt. Vier Jahre später verstarb der Earl und sein Enkel, der ihm nachfolgte, überlebte ihn nur wenige Monate. Die Erben gaben das Geschenk von der Insel an die Krone zurück. Die Siedler am östlichen Ende waren sich selbst überlassen und regelten ihre Angelegenheiten entsprechend. Ankäufe von Land wurden von den Städten getätigt und wurden in den späteren Jahren vom Gouverneur bestätigt, der vom Duke of York ernannt wurde. Van der Donck sagt: 1640 beanspruchte ein Schotte Long Island. 1647 beanspruchte Captain Andrew Forester aus Dundee, Schottland, Long Island für die Witwe von Sterling. 1669 bestieg Charles II. den Thron von England und John Winthrop, der Gouverneur der Kolonie von Connecticut, wurde nach England geschickt, um eine Gründungsurkunde zu erhalten. 1642 erhielt er eine Urkunde über die Territorien der Staaten von Connecticut und New Haven. Jetzt erhob dieser Besitzansprüche auf Long Island.

Im Januar 1664 kam Major John Scott nach Long Island, ausgestattet mit einigen königlichen Privilegien, und formte nach englischem Vorbild die Ortschaften Hempstead, Gravesend, Flushing, Newtown, Jamaica und Oyster Bay, mit ihm als Präsidenten, was wohl Bürgermeister bedeutet. Am 12. März 1664 übergab Charles II an seinen Bruder James, dem Duke of York, per Brief die Länder, die von den Holländern besetzt waren, zusammen mit Long Island. Der Herzog ernannte Colonel Richard Nicolls zum Gouverneur und an ihn wurden die „New Netherland“ der Holländer am 27. August 1664 übergeben.

Lage

Politische Gliederung von Long Island (und New York City)

Die Insel erstreckt sich von den Häfen der Stadt New York in den nördlichen Atlantik. Im Norden liegt der Long Island Sound, der die Insel von Connecticut und Rhode Island trennt. Im Süden liegen die Great South Bay und die Jamaica Bay; kleinere Inseln umgeben die Küstenlinie.

Long Island ist von Westen nach Osten in vier Countys aufgeteilt. Die beiden Countys im westlichen Teil der Insel, Kings County an der Westspitze und Queens County unmittelbar östlich davon, sind mit den New Yorker Stadtteilen Brooklyn und Queens identisch; östlich davon schließen sich Nassau County im mittleren Teil der Insel und Suffolk County im östlichen Teil an. Die Einwohner der Stadt New York, aber auch die Bewohner der beiden östlichen Countys, wenden den Begriff Long Island oder the island (die Insel) gewöhnlich nur auf die außerhalb der Stadtgrenzen gelegenen Countys Nassau und Suffolk an.

Geographie

Der Osten, wo die Insel in zwei Ausläufern, den sogenannten Forks, endet, wird teilweise noch agrarwirtschaftlich genutzt. Der nördliche Ausläufer endet an seiner Spitze mit dem Orient Point. Hier finden sich viele Weinberge und Gartenbaubetriebe.

Im südlichen Ausläufer, der am Montauk Point endet, befindet sich das Gebiet der „Hamptons“ mit den namensverwandten Städten Southampton, Bridge Hampton und East Hampton. Die Hamptons sind ein wegen ihrer Strände beliebtes Ausflugsziel der New Yorker. Stars und wohlhabende New Yorker haben sich hier häuslich niedergelassen. Fischfang wird auf Long Island als eine bedeutende Industrie betrieben.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist Long Island immer stärker besiedelt worden; das Milieu der Bevölkerung wurde zunehmend städtischer. Im Jahre 2000 wohnten im Bezirk Suffolk, dem östlichsten Bezirk der Insel, mehr als eine Million Menschen; die Gesamtbevölkerung der Insel mit Brooklyn und Queens umfasst siebeneinhalb Millionen Einwohner.

Verkehr

Auf der Insel befinden sich mehrere Flughäfen. Der größte unter ihnen ist der im Südwesten der Insel gelegene internationale Flughafen John F. Kennedy (JFK) in Queens. Ebenfalls in Queens, allerdings im Nordwesten der Insel, befindet sich mit LaGuardia Airport (LGA) ein weiterer der drei großen Flughäfen New Yorks. Weitere kleinere, hauptsächlich für Inlandsflüge verwendete Flughäfen (z. B. der Flughafen Macarthur (ISL) in Islip) sind gleichmäßig über die ganze Insel verteilt.

Das Straßennetz auf Long Island ist besonders im Westen, in den New Yorker Stadtteilen Queens und Brooklyn sehr engmaschig. Als eine Hauptverkehrsader zieht sich der Long Island Expressway (L.I.E./Interstate 495) von New York City im Westen bis nach Riverhead im Osten mitten über die Insel.

Bis zur Fertigstellung der Brooklyn Brücke 1883 war die Insel lediglich über den Wasserweg erreichbar. Gegenwärtig bestehen zehn Straßenverbindungen von und nach Long Island: die Verrazano-Narrows Bridge nach Staten Island; Brooklyn-Battery Tunnel, Brooklyn Bridge, Manhattan Bridge, Williamsburg Bridge, Queens-Midtown Tunnel und Queensboro Bridge nach Manhattan; die Robert F. Kennedy Memorial Bridge entweder nach Manhattan oder in die Bronx über Wards Island; und die Bronx-Whitestone Bridge sowie die Throgs Neck Bridge in die Bronx. Alle diese Straßenverbindungen liegen innerhalb der Stadtgrenzen von New York City im äußersten Westen von Long Island. Ideen für eine Verbindung mittels einer Brücke über den oder durch einen Tunnel unter dem Long Island Sound zur Verbesserung der Anbindung nach Neuengland wurden in der Vergangenheit immer wieder erörtert, konkrete Pläne werden zurzeit allerdings nicht verfolgt.

Von Hafenstädten verkehren Autofähren zum benachbarten Festland. Beliebt bei den Bewohnern ist ein Ausflug mit der Autofähre von Port Jefferson nach Bridgeport in Connecticut.

Neben den Straßenverbindungen existieren aktuell elf U-Bahn- und Eisenbahntunnels in den New Yorker Stadtteilen Brooklyn und Queens. Die Long Island Rail Road betreibt Schienenverkehr auf zwei Haupt- und neun Nebenstrecken mit 1100 km (700 Meilen) Gleislänge. Hauptsächlich von Pendlern aus und nach New York City genutzt, ist dieses Netz das meistgenutzte Personennahverkehrsnetz Nordamerikas. Die zu New York City gehörenden Countys Kings (Brooklyn) und Queens verfügen zudem über ein dichtes U-Bahn-Netz der New York Subway.

Bekannte Einwohner

Künstler

Das Pollock-Krasner House and Studio in Springs, East Hampton, gehört heute zu den National Historic Landmarks der USA

Long Island war und ist auch Wohnsitz vieler Künstler. Der Schriftsteller F. Scott Fitzgerald lebte ab 1922 auf Long Island; hier siedelte er auch die Titelfigur seines Romans The Great Gatsby an.

Der Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur Michael Crichton wuchs in Roslyn auf. John Steinbeck verbrachte seine letzten Lebensjahre in Sag Harbor.

Der Maler Jackson Pollock zog im Jahre 1945 mit seiner Frau Lee Krasner, ebenfalls Malerin, von New York nach Springs, einem Ortsteil von East Hampton, das zu dieser Zeit eine beliebte Künstlerkolonie war. Dort schuf er in seinem Atelier, das heute besichtigt werden kann, die berühmten Drip Paintings.

Ebenfalls nach Springs zog sich ab Ende der 1950er der Maler Willem de Kooning zurück. 1959 erwarb er dort ein Landhaus, das er zu einem weitläufigen Wohnatelier umbaute und 1963 bezog.

In den 1960er Jahren teilten sich der Schriftsteller Philip Roth und der Zeichner Tomi Ungerer ein Ferienhaus auf Long Island.

Im Jahre 1970 übersiedelte der Maler Roy Lichtenstein nach Southampton und richtete sich dort ein Atelier ein.

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch verlebte im Mai 1974 ein Wochenende in Montauk an der Ostspitze von Long Island mit einer jungen Bekannten und beschrieb dies in seiner gleichnamigen autobiographischen Erzählung.

Ritchie Blackmore, der ehemalige Gitarrist von Deep Purple, lebt mit seiner hier geborenen Lebensgefährtin Candice Night ebenfalls auf Long Island. Der Musiker Billy Joel wuchs in Levittown, einem Ortsteil von Hicksville, auf und lebt heute noch auf der Insel. Sein erstes Album ist nach Cold Spring Harbor, einer kleinen Gemeinde an der Nordküste von Long Island, benannt.

Ebenfalls lebt John Petrucci, der Gitarrist der US-amerikanischen Progressive-Metal-Band Dream Theater, mit seiner Frau Rena Petrucci und seinen drei Kindern auf Long Island. Er wurde auch hier geboren.

Der Schriftsteller und Journalist J. R. Moehringer verbrachte seine Kindheit in Manhasset, wo auch sein autobiographischer Roman Tender Bar spielt. Die Literaturkritikerin und Wissenschaftsjournalistin Merle Rubin wuchs in Plainview auf, einer Gemeinde im Nassau County.
Wohlhabende

Die Nordküste der Insel von Sands Point und Glen Cove, über Oyster Bay nach Huntington Bay, gilt seit den 1910er Jahren als Gold Coast, da hier besonders viele New Yorker Millionäre sich große Landsitze bauen ließen. Unter anderem befindet sich in Huntington das zweitgrößte Privathaus Amerikas, das 1919 bis 1921 von Otto Hermann Kahn erbaute Oheka Castle mit 125 Zimmern. Der Architekt Stanford White war Ende des 19. Jahrhunderts ein bevorzugter Baumeister für diese Art von Landsitzen der New Yorker Oberschicht. Gut erhaltene Baudenkmäler dieser Zeit sind des Weiteren Winfield Hall und Hempstead House. Ebenfalls berühmt ist das Château des Thons in Upper Brookville, das 1928 von H. Barney aus Frankreich importiert wurde.

Diesem Teil von Long Island setzte der Schriftsteller F. Scott Fitzgerald ein literarisches Denkmal in seinem Roman Der große Gatsby, dessen fiktiver Palast in West Egg durch das Schloss Beacon Towers der Familie Vanderbilt in Sands Point inspiriert war.
Reservate

Im Suffolk County befinden sich zwei Indianerreservate, die Poospatuck Reservation und die Shinnecock Reservation.

Sag Harbor, New York

Sag Harbor ist ein Dorf in Suffolk County, New York, Vereinigte Staaten von Amerika, nahe den Städten von East Hampton und Southampton. Die Bevölkerung zählte 2169 Personen bei der Volkszählung 2010.

Sag Harbor liegt etwa zu drei Fünftel in Southampton und zu zwei Fünftel in East Hampton. Die Trennlinie ist Division Street. Die meisten der prägenden Wahrzeichen des Dorfes - einschließlich der Main Street, der Whalers Kirche, Jermain Bibliothek, Whaling Museum, der Alten Burying Ground, Oakland Cemetery, Mashashimuet Park und Otter Pond liegen in Southampton. Doch fast die ganze Bay Street Marina Komplex, einschließlich Sag Harbor Yacht Club und Breakwater Yacht Club, am Fuße der Main Street, ist in East Hampton, wie auch die High School, der Sag Harbor Golfplatz, und die "Befreite-Sklaven-Gemeinschaft" von Eastville.

Wein aus Long Island

Das Weingut Wölffer Estate auf Long Island
von Gabriele Redden

Hätte mir nicht Peter Berley, Küchenchef und TV-Host in New York einige Wochen zuvor diesen köstlichen Merlot des mir bis dahin unbekannten Weinguts auf Long Island eingegossen, ich wäre sicher am Wölffer Estate vorbeigefahren.

Nicht weil es zu übersehen wäre - im Gegenteil, es ist ein imposantes, im toskanischen Stil errichtetes Gebäude, einladend von gepflegten Weinbergen umgeben -, sondern weil mich einfach noch kein Wein einer Long Island Kellerei so richtig überzeugt hatte. Also parkte ich meinen Wagen auf dem Parkplatz vor dem Gebäude, ging die Stufen hinauf und stand in der Empfangshalle des Weinguts.

Auch hier alles ganz mediterran: große, dunkle Holztische auf Steinfußboden und natürlich Weinflaschen in den Regalen an den Wänden. Zwei freundliche Damen begrüßten mich und Roman Roth, Weinmacher und Manager der Kellerei war sofort zu einem Gespräch bereit. Die Lese war vorbei, der frische Rebensaft in den Stahltanks und so hatte er ein wenig Zeit, mir meine Fragen ganz außer planmäßig zu beantworten.

Das erst 2001 als AVA (American Viticultural Area) klassifizierte Weinbaugebiet Long Island liegt im Osten der gleichnamigen, knapp 200 km langen, vor New York gelegenen, gleichnamigen Insel und hat eine Rebfläche von etwa 1215 Hektar. Das Klima hat maritime Prägung, beeinflusst vom Atlantischen Ozean im Süden und dem Long Island Sound im Norden.

Auf der so genannten Northfork der Insel befinden sich die meisten der etwa 80 Weingüter - nicht so das Wölffer Estate, dass auf der Southfork liegt, mitten in den Hamptons, der berühmten Sommerfrische der High Society New Yorks.

Weinbau hatte hier keine Tradition, erst 1973 begannen einige mutige Winzer auf ehemaligen Kartoffeläckern Reben zu pflanzen. Sehr gut gut gedeihen hier die roten Bordeaux-Sorten, Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet franc. Inzwischen sind viele klassische Sorten, rote, wie Pinot noir, Shiraz, und weiße, wie Chardonnay, Semillon oder Viognier hinzuzugekommen und heute werden hier beachtenswerte Weine erzeugt.

Das Besondere? Die Winzer von Long Island kopieren nicht einfach einen bestimmten Weinstil, sondern bemühen sich darum, etwas Eigenes, etwas Unverwechselbares zu schaffen, das das Terroir und die außergewöhnliche Lage des Weinbaugebietes betont.

Das Wölffer Estate wurde 1988 von dem aus Hamburg stammenden Christian Wölffer gegründet. Er hatte sich nach Umwegen über Mexiko und Kanada Anfang der 80er Jahre auf Long Island niedergelassen. Überzeugt davon, dass man hier besseren Wein produzieren könne als den, den er seit seiner Ankunft getrunken hatte, kaufte der Immobilienmakler Land für den Rebenanbau und stürzte sich damit in das Abenteuer seines Lebens.

Da er weder von Weinbau noch von der Weinbereitung Ahnung hatte, suchte er in Deutschland nach einem jungen ambitionierten Weinmacher und fand ihn in Roman Roth, der zu jener Zeit auf einem Badischen Weingut arbeitete und sich seine Sporen schon mit prämierten Rieslingen, Schaumweinen und Pinot noirs verdient hatte. Internationale Erfahrungen hatte er zuvor in Kalifornien und Australien gesammelt. Mit seinem Oenologie-Diplom in der Tasche kam er 1992 nach Sagaponeck, Long Island.

Hier fand er 28 Morgen Rebenfläche und eine Kellerei mit minimaler Ausstattung für die Weinbereitung vor. Im selben Jahr begann er mit der Produktion von Chardonnay und richtete einen Verkostungsraum ein, der schon bald eifrig frequentiert wurde. Schnell wurde der Grandioso Rose zum beliebtesten Sommerwein der Hamptons.

Es dauerte nur 10 Jahre, bis sich das Wölffer Estate als führendes Weingut Long Islands etabliert hatte und heute jedem Vergleich mit den guten Weinkellereien in Europa standhält. Belohnt wurde Roman Roth außerdem mit der Auszeichnung Winemaker of the Year 2002.

Der dynamisch-elegante "Perle Chardonnay" 2006 ist ein Markenzeichen des Wölffer Estates geworden und auch auf den preisgekrönten Merlot "Christian's Cuvee" 2005 und den ebenfalls als bester Dessertwein ausgezeichneter Eiswein Late Harvest Chardonnay 2007 ist Roman Roth mit Recht stolz.

Vgl. http://www.nikos-weinwelten.de/beitrag/wein_aus_long_island/

Amerikas bester Winzer ist ein Deutscher
Von Jürgen Kalwa19. Dezember 2013

Wein aus USA made in Gemany

Schon Lessing sprach: "Schweigt, unberauschte, finstre Richter. Ich trinke Wein und bin ein Dichter..."

Den besten Wein an Amerikas Ostküste macht ein deutscher Winzer. So ist es auch Roman Roths Verdienst, dass Long Island inzwischen als anerkanntes Anbaugebiet gilt

Der Hauptgang war abgeräumt, und die Dinnergäste warteten aufs Dessert. Da setzte sich einer der Gäste an den Flügel, der im American Hotel in Sag Harbor mitten im Restaurant steht, und stachelte die zentrale Figur des Abends an. Roman Roth solle doch aus dem Stegreif ein paar alte deutsche Weinlieder zum Besten geben.

Zuvor hatte der Deutsche, der heute als bester Winzer an der Ostküste der USA gilt, beim Degustationsmenü vor jedem Gang routiniert die Facetten seiner Weine ausgeführt. Doch wer verwöhnten Amerikanern etwas verkaufen will, muss sich als Entertainer betätigen. Glücklicherweise hat der ehemalige Chorknabe aus Rottweil, einer Stadt zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, das richtige Talent für solche Augenblicke. Er singt mit einem Tenor, der so viel Körper hat wie sein bester Merlot.

Nicht zuletzt durch Roths Pionierleistung ist die Region Long Island im vergangenen Jahrzehnt zum ernst zu nehmenden Weinanbaugebiet geworden. Anfang der Neunziger heuerte der ehemalige Geselle einer badischen Winzergenossenschaft bei Christian Wölffer an, einem Hamburger Unternehmer, der sich in den Kopf gesetzt hatte, auf seiner Farm in Bridgehampton im Staat New York Wein anzubauen. Durch seine Arbeit im Keller von Wölffer Estate hat Roth seither den Stil der Weine der Region geprägt, als Kontrastprogramm zu opulenten und fruchtbetonten Weinen aus Kalifornien. „Es ist kühler im Sommer auf Long Island“, sagt er, was am Atlantik liege. „Das sorgt für Eleganz und Lebendigkeit.“

Die ehemaligen Kartoffeläcker, die inzwischen zum Wölffer Estate gehören, liegen in Sagaponack, einem Dorf, das den Hamptons zugerechnet wird, dem idyllischen Sommerkosmos wohlhabender New Yorker. In den Fünfzigern und Sechzigern mischten sich hier zuerst die Schriftsteller unter die Bauern und Fischer, da schöne Holzhäuser nah am Meer damals für weniger als 50 000 Dollar zu haben waren. Truman Capote kam, um seinem anstrengenden New Yorker Gesellschaftsleben zu entfliehen. Kurt Vonnegut lebte bis zu seinem Tod in Sagaponack. Der legendäre James Salter hat hier draußen einen großen New-York-Roman geschrieben, der gerade auf Deutsch unter dem Titel „Alles, was ist“ veröffentlicht wurde.

Heute hingegen ist es kein Problem, in Sagaponack mehr als 50 Millionen Dollar für ein Haus auszugeben. Die Hedgefondsmanager und Goldman-Sachs-Partner haben den einst verschlafenen Ort entdeckt, was manche bedauern, da sie die gelben Ferraris und oft mehr als tausend Quadratmeter großen Villen als geschmacklos empfinden – was aber zweifellos gut für die örtlichen Winzer ist, da auf den Festen der Geldelite mehr getrunken wird als auf den Terrassen der Schriftsteller.

Trank man bis vor etwa einem Jahrzehnt den örtlichen Wein nur gelegentlich aus ironisch-fatalistischem Lokalpatriotismus, ist er hier draußen nun sehr begehrt. Der Durchbruch, bei dem die Wölffer-Weine der Region den Weg ebneten, ist hart erarbeitet. Roth erinnert sich noch, wie er von New Yorker Sommeliers rüde abgewimmelt wurde: „Die Leute wollten Wein aus Long Island nicht mal probieren.“ Heute ist das anders. Für seinen Spitzenwein, den streng limitierten Merlot „Christian’s Cuvee“, nach Gutsgründer Christian Wölffer benannt, verlangt Roth 100 Dollar die Flasche, eine Rekordmarke für Weine aus dem Staat New York – was seine Kunden nicht abschreckt: „Sie sind eher stolz, dass New York einen solchen Wein produziert.“

Christian Wölffer starb am Silvesterabend 2008 bei einem Bootsunfall vor der brasilianischen Küste. Doch sein Long-Island-Imperium, zu dem noch eine Reitanlage und Pferdeställe gehören, floriert unter Roths Leitung weiter. Das Weingut wuchs bis heute auf eine Fläche von 22 Hektar an, die Produktion von 500 auf mehr als 25 000 Kisten. Das ist auch auf die Experimentierfreude des deutschen Kellermeisters zurückzuführen. Einen gehobenen Schaumwein produziert er schon, ebenso einen Apfelwein, den „Big Apple Wine“. Bald wird er noch einen aus Chardonnay destillierten Brandy auf den Markt bringen.

Als Wölffer ihn einstellte, erinnert sich Roth, gab dieser folgende Devise vor: „Du kannst anschaffen, was du brauchst, du kannst machen, was du willst. Du musst nur sicherstellen, dass du den besten Wein produzierst, der hier draußen möglich ist.“ Die Vorgabe erfüllt Roth auch mit seinem eigenen Wein, den er unter dem Label „The Grapes of Roth“ produziert. Der Name ist ein Wortspiel auf den Titel des berühmtesten Romans von John Steinbeck („The Grapes of Wrath“, auf Deutsch: „Früchte des Zorns“), der zuletzt in Sag Harbor lebte, im selben Ort, in dem auch Roth zu Hause ist. Dem ersten Jahrgang Merlot aus dieser Reihe verlieh der Wine Advocate, das Journal des einflussreichen Kritikers Robert Parker, gleich 92 von möglichen 100 Punkten. Kein Wein aus dem Bundesstaat New York wurde bislang höher bewertet.

vgl. http://www.cicero.de/stil/wein-amerikas-bester-winzer-ist-ein-deutscher/56722

Star-Winzer Wölffer tödlich verunglückt
04.01.2009, 14:39 Uhr | dpa

Der Millionär und Weingut-Besitzer Christian Wölffer ist an Silvester beim Baden in Brasilien tödlich verunglückt. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde er von einem Motorboot überfahren. Die brasilianischen Behörden ermitteln wegen fahrlässiger Tötung. Bis Sonntag gingen fünf Hinweise ein.

Der 69-jährige gebürtige Hamburger war früher Manager bei BASF. Er lebte seit Jahren in den USA, wo er in der Nähe von New York ein renommiertes Weingut aufbaute. Zu seinen Kunden gehörten unter anderen der Musiker Billy Joel und der Schauspieler Bill Murray. In Brasilien wollte er am Silvesterabend eine Feier besuchen, zu der auch viele Stars eingeladen waren.

Rettungsversuch scheiterte

Brasilianische Medien berichteten, Wölffer sei sehr wahrscheinlich von einem Boot angefahren worden. Darauf weise die Tiefe einer etwa 15 Zentimeter langen Wunde in der Brust des Leichnams hin. Der brasilianische Schauspieler Rodrigo Hilbert versuchte angeblich Wölffer noch zu retten, als dieser verzweifelt im Wasser um Hilfe rief und zum Strand hinüber winkte. Der 28-jährige habe den Verletzten zwar noch ans Ufer ziehen, seinen Tod aber nicht verhindern können. Wölffer sei bereits tot ins Krankenhaus Santa Casa de Misericórdia eingeliefert worden. Der Leichnam Wölffers befindet sich derzeit noch in Rio de Janeiro und soll am Montag freigegeben werden.

Erfolgreicher Unternehmer

Der Unternehmer beherrschte sechs Sprachen fließend und zählte zur High-Society der Hamptons, einer Region am Ostende von Long Island im Staat New York. Vor seiner Weinkarriere machte er unter anderem Geschäfte in Mexiko und Südamerika und war als Immobilien-Unternehmer in Kanada tätig. Sein Weingut "Wolffer Estate Vineyards" in Sagaponack entstand aus einer früheren Kartoffelfarm, die er 1978 erwarb.

vgl. http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_17276420/star-winzer-woelffer-toedlich-verunglueckt.html

Star-Winzer: Tod beim Baden

Ein befreundetes Schauspielerpaar hatte noch versucht, den 70 Jahre alten Millionär zu retten. Die Polizei ermittelt.

Der Hamburger Multimillionär und international erfolgreiche Winzer Christian Wölffer ist bei einem tragischen Badeunfall in Brasilien ums Leben gekommen. Der 70-Jährige starb bereits am Silvestertag. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde Wölffer beim Schwimmen an einem Strand der Westküste Brasiliens von einem Motorboot überfahren. An seiner Brust hatte er zwei 15 und 20 Zentimeter lange, tiefe Wunden. Die brasilianische Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung.

Am Tag des Unglücks ging Wölffer gegen Nachmittag an den Strand - einen der luxuriösesten Strände Brasiliens, der etwa 250 Kilometer südwestlich von Rio de Janeiro liegt. Der 70-Jährige wollte vor seinem Silvester-Abendessen bei Freunden noch einmal im Saco do Mamangua schwimmen, einem fjordähnlichen Wasserlauf zum Atlantik.

Als der Unfall passierte, schwamm Wölffer in Sichtweite des Strandes innerhalb der für Boote verbotenen 200-Meter-Zone. Das in Brasilien berühmte Schauspielerpaar Rodrigo Hilbert und Fernanda Lima hörte auf einmal die Hilferufe ihres Freundes. Die beiden schwammen zu ihm. Kurz darauf wurde Christian Wölffer mit einem Boot an Land und von dort aus in ein Krankenhaus gebracht - doch die Verletzungen waren zu schwer. Er starb an akutem Blutverlust und inneren Blutungen.

Christian Wölffer, der auf Long Island bei New York ein bekanntes Weingut betrieb, war von dem brasilianischen Unternehmer und Kunstsammler Luiz Osvaldo Pastore eingeladen worden, mit dem er seit über einem Jahrzehnt befreundet war. Wölffers Tochter flog nach dem Unfall nach Brasilien.

Das Unglück sorgte in den brasilianischen und US-amerikanischen Medien für Aufsehen. Die Zeitung "O Globo" (Sonntag) berichtete, es gebe einen ersten Verdächtigen, der den 70-Jährigen mit seinem Boot überfahren haben soll.

Christian Wölffer wurde in Hamburg geboren und lebte seit Jahren in den USA. Er beherrschte sechs Sprachen fließend und war auch Besitzer eines Pferdegestüts. Zu seinen Weinkunden gehörten Persönlichkeiten wie der Musiker Billy Joel und der Schauspieler Bill Murray. Bevor er das Weingut aufbaute, machte Christian Wölffer Geschäfte in Mexiko und Südamerika und war als Immobilienunternehmer in Kanada tätig.
(dpa, ur/)

vgl. http://www.abendblatt.de/hamburg/article106766651/Star-Winzer-Tod-beim-Baden.html

 

Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Long_Island